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Das Leben einer Transfrau in einer Kleinstadt  ( Die Offenbarung )

 Ich wohne in einer kleinen Stadt man kann schon fast sagen einen Dorf in der Nähe von Frankfurt. Als ich mich damals geoutet hatte, sagten viele die ich kannte dass es bestimmt besser war wenn ich in eine große Stadt ziehen würde. Das habe ich aber nicht gemacht, denn warum sollte ich wegziehen!? Nur weil ich sagte ich sei eine Transfrau sollte ich meine Zelte in meinem Wohnort abbrechen damit ich anonym in einer Stadt wohnen könnte. Zudem habe ich eine Tochter und wollte in Ihrer Nähe bleiben. Also kurzum für mich war das völlig ausgeschlossen aus meinem Wohnort wegzuziehen! Am Anfang war das natürlich alles sehr schwierig und wie es bei so vielen ist, hat sich auch bei mir der Freundeskreis in Luft aufgelöst. Die Leute haben am Anfang komisch geschaut und konnten damit gar nichts anfangen. Aber hier im Ort war auch keiner unfreundlich zu mir, und das ist bis heute so geblieben. Mittlerweile geht auch jeder normal damit um. Ist gibt ja auch nichts unnormales an eine transgeschlechtliche Frau. 


Transfrauen müssen sehr oft um alles kämpfen

 

Hannah im Winter 2020

Eine Transfrau ist glücklich

Meine geschlechtsangleichende Operation ist mittlerweile auch schon einige Jahre her und jemand der mich von früher nicht kennt bemerkt gar nicht das ich eine transgeschlechtliche Frau bin. Ich muss sagen, dass ich froh bin in meinem Ort weiterhin zu wohnen. Mein Freundeskreis hat sich neu gebildet und bei denen bin ich wie jede andere Frau auch. Ich kann nur empfehlen nicht fortzulaufen, auch wenn der Weg am Anfang holprig ist. Am Ende sind die Wogen wieder geglättet und das Leben als Frau hat endlich meine ewige Zerrissenheit ein Ende gesetzt! Ich kann heute sagen, das ich froh bin eine Frau zu sein mit transgeschlechtlichen Hintergrund. Ich bin sogar stolz darauf, weil ich mir sicher bin, dass Transfauen ganz besondere Frauen sind. Viel Männer haen mir gesagt, dass sie sich wünschen würden wenn ich Frauen auch soviel Verständnis hätten. Klar, wir transgeschlechtlichen Frauen kennen beide Seiten des Lebens und haben oft eine ganzandere Erziehung genossen wie eine biologische Frau. Das sehe ich als was besonderes an und nicht viele Menschen erleben dürfen.


Mit Hormonen ging es dann endlich los

 Was war ich damals glücklich endlich mit der Hormontherapie anfangen zu dürfen. Als ich endlich noch all den Jahrzehnten einer täglichen Qual an dem Punkt war mich dazu zu bekennen was ich in Wirklicheit war und bin, nämlich eine Transfrau bzw. heute eine transgeschlechtliche Frau ( der einfachkeithalber nachfolgen als Transfrau bezeichnet ), wollte ich die geschlechtliche Anpassung so schnell wie möglich hinter mich bringen. Die erste Hürde die eine Transfrau nehmen muss, ist einen Fachkundigen Arzt zu finden. Ich wohne wie bereits schon gesagt in einem kleinen Städtchen in Unterfranken und da finde mal einen Arzt der dich ernst nimmt und dir weiterhelfen kann.Ich hatte zum Glück einn guten Hausarzt der mich ernst nahm und bei der Arztfindung behilflich war. Das ist viel  Wert, da mittlerweile dieser Arzt eein wichtiger Bestandteil in meineem Leben ist. Alle anderen Ärzte hatte ich dann in Frankfurt gefunden. Das bedeute, dass ein Facharztbesuch immer mit ca. 160 Km Autofahrt verbunden ist. Wenn man so wohnt wie ich, dann ist man auf sein Auto angewiesen. Ich bin heute schon gespannt wie das im Alter funktioniert. Ich hoffe das in den nächsten Jahren es auch Ärzte im ländlichen Umfeld gibt die Transmenschen weiterhelfen können.



Hormontherapie bei Transfrauen

Transfrau Hannah und Kaffee

Vitamine ist eine muss ob transgeschlechtlich oder biologisch

Beim Schreiben ist der Kaffee ein guter Begleiter! Aufjedenfall ging es dann endlich los mit der Hormontherapie und ich war so gespannt wie sie anschlägt und in wie weit ich mich verändern würde. Mal das vorweg! Mein Freund konnte mich auf früheren Bildern nicht erkennen. Die Hormone zeigten bei mir die volle Wirkung. Ich habe zu meiner Endokrinologin gesagt, dass mein Körper all die Jahre auf die Hormone gewartet hat. Ich nehme Gynokadin Gel, wobei es natürlich eine Vielzahl anderer Hersteller gibt, die der behandelnde Arzt jenachdem was er/sie für richtig befindet verschreibt. Eine Zeitlang habe ich das Östrogen in Tablettenform veabreicht bekommen, allerdings war die Wirkung nicht so gut und der Östrogenspiegel war zu niedrig. Er war in etwa so, wie bei einer Frau in der Menopause. Das habe ich auch schon erlebt, als ich mich mal versucht habe einen Endokrinologe in meinem Umfeld zu findn, das dieser meinte meine Östrogenwerte seinen zu hoch. Eine Frau in meinem Alter und Menopause hätte einen deutlich niedrigeren Östrogenspiegel. Hallo! Zum eeinen kann ich kine Menopause haben und zum anderen ist der höhere Östrogenspiegel erwünscht weil ich wie die meisten Transfrauen auch, gewisse Veränderungen erzielen wollen. Der Östradiolwert liegt bei mir ca. bei 150 plus/minus. Am Anfanf der Hormonbehandlung waren die Werte stark schwankend.

In den ersten Monaten war ich auch ziemlich "gaga" gewesen wie in einer Pupertät. Aber da musste ich wohl durch. Und bei mir ging es dann ziemlich schnell mit den Veränderungen los. Ich hatte gerade ein paar Wochen das OstrogenGel genommen und Urlaub. Als ich nach meinem Urlaub zurück kam, meinten meine Kollegen was den mit mir los sei. Ich hätte ich ja total verändert. Man konnte schon im Gesicht die ersten Veränderungen sehen. Aber ich sagte zu diesem Zeitpunkt noch nichts, da ich ersteinmal genug in meinem privaten Umfeld zu klären hatte. Zudem war ich verhiratet und habe auch noch ein Kind. Also ich hatte genug Zündstoff zu bewältigen. Eigentlich war ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht fähig irgendetwas zu klären, da ich ja schon am Boden lag und völlig ausgepumpt von meineem zwiespaltigen Leben. Zum Zeitpunt meiner Offenbarung war ich völlig ausgelaucht und körperliche Probleme durch die enorme psychische Belastung. Wie sollte ich da was geregelt bekommen! Ich war noch lange nicht am Ende des Chaos angekommen. Wer glaubt, dass nach dem outing alles gut ist, der hat weit gefehlt. Es sollte noch viel schlimmer kommen, als der seelische Druck den ich mein lebenlang hatte und der mich krank machte.

Nachdenklich

Rückblick auf das Leben einer Transfrau


Positives Denken und Emphatie

Der Alltagstest

Dann ging auch schon mit dem Alltagstest los! Das heißt ich musste nun als Frau mein Leben meistern. Das gehörte zu meiner Zeit dazu um selber auch feststellen zu können, dass ich mich darin auch irklich wiederfinde und vor allem auch wohlfühle. Das ist natürlich extrem schwer, da man zu diesem Zeitpunkt noch aussieht wie ein Mann. Zudem musste ich midestens 1 Jahr als Frau leben um die geschlechtsangleichende Operation beantragen zu können. Aber auch sonst findet man an sich Baustellen die man angehen muss. Zum Beispiel die Bartepilation. In der Regel konnte man zu meiner Zeit dies nach einen halben Jahr zur Kostenübernahme beantragen, wenn der behandelnde Facharzt die Indikation zur Barthaarentfernung schrieb. Also ich musste erstmal über ein halbes Jahr al Frau leben mitt Bart bis ich bestätigt bekam, das Ich eine Frau sei und da kein Bart hingehört. Damit die Karnakenkasse die Epilation übernimmt, musste ich mich bis dahin fremdbestimmen lassen. Das war nicht schön, aber lies sich auch nicht ändern. Das gleiche Prozedere musste ich auch beim Antrag der geschlechtsangleichende Operation durchlaufen. Ohne die Indikation von einem Psychologenoder Psychiater ging mal nichts!

Wie dem auch sei, habe ich tapfer mein Mädchen gestanden. Als dann das Brustwachstum begann, wurde es natürlich schwierig. Schließlich sah man spätestens jetzt, dass bei mir was im Gange war. Mein damaliger Arbeitgeber wusste zu diesem Zeitpunkt noch nichts von dem, was er bald von mir erfahren sollte. In den ersten Wochen habe ich nur meine Familie darüber in Kenntnis gesetzt was mit mir eigentich los ist. Und das war schon ein Szenarium! Es gab keinen der/die es verstehen konnte. Einige waren sogar beleidigt, dass ich es ihnen nicht früher gesagt habe. Ja man glaubt es kaum, was durch den Köpfen der Menschen so geht. Bei dem Thema transexualität greist die Unwissenheit und das Taktgefühl bei vielen Menschen um dass, was sich Gehirn nennt! Ich hatte doch schon genug Probleme dachte ich, und nun kommen die ganzen Erklärungen und im Gegenzug die gut gemeinten, aber nutzlosen Ratschläge der anderen. Es kann kein Außenstehender einem ein Ratschlag geben, da er/sie sich nur ansatzweise in die Situation reinversetzen kann, oder gar verstehen kann, wie ich mich gefühlt hatte in einem Körper leben zu müssen der meinem Empfinden nicht entsprach.


Das schlimmste ist wenn man sich alleingelassen fühlt

Die meisten Transfrauen die ich kenne, leben mit ihren Partnerinnen nicht mehr zusammen. In gewisser Weise ist es auch verständlich, dass die meisten Partnerinnen damit nicht klar kommen. Schließlich wollen sie einen Mann und nicht eine Frau haben. Irgendwann kommt dann für Sie die Erkenntnis, dass die Person die sie geheiratet haben in Wirklichkeit kein Mann sondern eine Frau ist. So war es auch bei mir gewesen! Ich zog aus und war auf einmal ganz allein. Keine Freunde mehr, keine Familie mehr, das einzigste was blieb war mein Kind. Denn sie hält immer zu mir. Das ist bis heute so geblieben! Wie dem auch sei, als dann der Moment kam dass ich die erste Nacht in meiner neuen Wohnung verbrachte, kam in mir eine enorme Einsamkeit auf. Die Einsamkeit die dann auf einmal um einen herum herrscht, die Macht einem enorm zu schaffen. Ich war immer eine Person die Menschen um sich herum brauchte und nun war nur noch eine leere da. Eigentlich sind Transmenschen ja nicht krank! Die Begleiterscheinungen, die oftmals aufkommen durch Depressionen, die machen krank. Dieses Tal der Tränen durchlaufen wohl die meisten. Es gibt wohl nur sehr wenige Menschen auf unserem Erdball die in ihrem Leben alles verlieren. Deshalb kann sich die Mehrheit der Gesellschaft wohl auch nur sehr schwer vorstellen, wie groß der Leidensdruck bei mir war. In dieser Situation habe ich sehr schnell festgestellt und kennengelernt was eine Freundschaft Wert ist. In meinem Fall war nicht einer meiner früheren Freunde mal zu mir in meine Wohnung gekommen.

Hannah


Heute weiß ich dass all die Freundschaften die ich hatte überhaupt nichts Wert waren. Drauf geschissen! Denn das Leben geht weiter und da wo eine Tür zugeht geht die nächste wieder auf. Ich habe im Laufe der Zeit auch wieder neue Leute kennengelernt die keine Berührungsängste haben. Es ist schlimm feststellen zu müssen, wie schnell man fallen gelassen wird wenn sich die Situation so verändert, dass die Gesellschaft nicht damit konform ist. Auch das musste ich erst einmal verarbeiten.


Die geschlechtsangleichende Operation

Bei mir kam die geschlechtsangleichende Operation ziemlich zum Schluss. Ich glaube das ist heutzutage in der Regel immer noch sauer. Schließlich muss dieser Entschluss auch wohl überlegt sein und ist auch nicht mehr rückgängig zu machen. Auch ist dieser Eingriff nicht ungefährlich und mit enormen Schmerzen verbunden. Ich hatte bei meiner geschlechtsangleichenden Operation keine Probleme und dennoch hatte ich monatelang noch mit den Nervenschmerzen zu tun. Ich hatte mir damals zwei Kliniken angeschaut und habe mich dann für eine entschieden. Letztendlich habe ich die genommen die näher an meinem Wohnort war. Ich war ja auch so ziemlich alleine mit meinem größten Eingriff in meinem Leben. Es war niemand da aus meiner Familie der mir Beistand, bis auf meine Tochter. Aus meinem Freundeskreis hatte ich noch meine beste Freundin die mir in dieser Zeit zur Seite stand. Ich hatte natürlich große Angst bei diesem Eingriff. Schließlich dauert so ein Eingriff fünf bis sechs Stunden. Also das ist nicht ohne und bis man dann endlich wach ist ist fast der ganze Tag rum. Das Gute ist, dass man im Krankenhaus so ziemlich schmerzfrei gehalten wird. Ich glaube es war Morphium was durch den Tropf ging, aber es war mir auch egal was es war, Hauptsache es hielt die Schmerzen von mir. Als ich damals aus meinem Zimmer abgeholt wurde zur Operation, vergesse ich nie wie ich vor Angst im Fahrstuhl geweint habe. Ich hatte Angst davor, dass ich meine Lieben nicht mehr wiedersehe. aber dennoch war der Wunsch stärker endlich Frau zu sein. Und was war ich damals froh als ich im Aufwachraum wach wurde. Jetzt musste ich erst einmal sechs Tage im Bett liegen ohne aufstehen zu dürfen. Man glaubt gar nicht wie schnell der Körper abbaut. Denn als die sechs Tage vorüber waren und ich das erste Mal aufstehen durfte, waren die Beine so schwach und der Kreislauf so daneben, dass es schier unmöglich war sich auf den Beinen zu halten. Wie gesagt, meine Operation verlaufen und es kam zu keinen Komplikationen. Ich habe aber auch von anderen Frauen gehört, die Komplikationen hatten und nachoperiert werden mussten. Deshalb ist meine Meinung, dass man sich ein Krankenhaus in seiner Nähe suchen sollte, welches im Bedarfsfall schnell zu erreichen ist. Denn nach so einer Operation ist man alles andere als mobil und eine lange Autofahrt selbst zu machen ist überhaupt nicht möglich. Ich brauchte nur 40 Minuten von meinem Wohnort bis in die Klinik. Und diese waren damals als ich vom Krankenhaus abgeholt wurde eine Tortur für mich gewesen. Als ich damals vom Krankenhaus zu Hause ankam, bin ich quasi ins Bett gefallen. Ich kann mir gar nicht vorstellen eine stundenlange Autofahrt oder Zugfahrt nach so einer OP ertragen zu können. Natürlich liegen auch schon einige Tage dazwischen bis man endlich nach Hause darf, aber trotzdem. Ich war froh dass ich meinen Krankenhaus in meiner Nähe hatte.

Ich wurde damals von der Krankenkasse angerufen, dass meine geschlechtsangleichende Operation durch meine Krankenkasse übernommen wird. Mir fiel ein Stein vom Herzen und ich musste vor Freude weinen. Die Mitarbeiterin von der Kasse fragte mich, warum ich denn weinen würde. Es wäre doch ein Grund der Freude! Ja hatte ich ihr gesagt, dass ich mich natürlich freuen würde und vor Freude weinen würde. Schließlich war die Genehmigung zur geschlechtsangleichenden Operation, für mich der wichtigste Teil. Vom Antrag bis zu Operation ist dann schließlich ein Jahr vergangen. Ich hatte erst ein Vorgespräch in der Klinik gehabt, und hatte dann den Antrag an das MDK geschickt. Aber zuvor hatte es noch einige Monate gedauert bis ich die Indikation für die geschlechtsangleichende Operation in meinen Händen hielt. Erst mit dieser Indikation konnte ich den Antrag beim MDK stellen. Nachdem ich nun von der Krankenkasse die Mitteilung bekam zur Kostenübernahme durch die Kasse, hatte es noch ca ein halbes Jahr gedauert bis ich den Operationstermin hatte. Das war ein verrücktes halbes Jahr! Verrückt deshalb, weil je näher der Termin zu Operation rückte, desto mehr stieg die Angst und die Aufregung. Aber dennoch überwog die Freude endlich Frau zu sein! Denn endlich war mein Körper dann so wie er in meinen Vorstellungen einer Frau entspricht. Heute unterscheide ich mich zu einer biologischen Frau nur in diesem einen Punkt. Und das ist, dass eine transgeschlechtliche Frau keine Kinder bekommen kann. Das ist aber auch schon der einzige Punkt! Es wird wohl kaum jemand behaupten, dass wenn eine Frau eine total Operation hatte deshalb auf einmal keine Frau mehr ist sondern ein Mann. Eine Frau nach einer Totaloperation unterscheidet sich von einer Frau mit Geschlechtsangleichung kaum noch. Jeder hat wohl sein eigenes Fantasie Konstrukt was er oder sie in Mann und Frau sieht. Die meisten Menschen denken wohl in der Kategorie Geschlechtsorgane.

Hannah 2020


Aber ich habe in meinem Leben so viele Frauen kennengelernt die ehrlich gesagt eher zur Kategorie Mann gehören und auch gleichermaßen Männer kennengelernt die eigentlich in die Kategorie Frau gehören. Aber natürlich hat jeder das Recht sein eigenes Anschauungsbild zu haben.


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Hormone müssen Transmenschen ein Lebenlang nehmen. Das empfinde ich aber nicht als schlimm, da es keinen Aufwand für mich bedeutet. Es kommen schon Veränderung bei der Zuführung von Östrogenen innerhalb der ersten 6 Monaten und dauern an bis zu 5 Jahren. Tja, alles braucht eben seine Zeit. Ein pubertierendes Mädchen braucht schließlich auch Jahre bis es eine Frau ist. Und ja liebe Transfrauen! Bei uns ist es nicht viel anders! Eine für mich deutliche Veränderung setzte bei mir nach meiner geschlechtsangleichenden Operation ein. Aber bevor es zur hormonellen Behandlung kam, wurde ich von einem Arzt zum anderen geschickt. Zunächst musste mal ausgeschlossen werden, das ich keine psychische Erkrankung habe die mir nur den Anschein geben würde eine Frau zu sein. Ja meine Lieben, man musste es auch zu meiner Zeit in Deutschland beweisen, das man eine Transfrau ist. Erst wenn ein Psychiater oder damit erfahrener Psychologe bestätigt, das ich F.64 (die Bezeichnung der Medizin ) sollte ich die Indikation zur Hormontherapie erhalten. Zum Glück war es bei mir schnell Klar und der Psychiater erteilt mir ganz schnell die Diagnose als Gesichert!

Hannah gut gelaunt


Aufjedenfall machte ich weiter mit meinem Alltagstest. Ich hatte sowieso mir immer gesagt, dass wenn ich es einem mal erzählen würde, dann ist es nicht mehr auzuhalten. Und genau so war es auch. Es lies sich nicht mehr aufhalten, denn die Hannah war frei!!!

Was dann aber folgte war nicht schön. Als erstes ging die Familie entzwei. Danach hatte sich die Ehe aufgelöst. Geblieben war nur mein Kind und meine Mutter in der ferne, die es aber auch nicht verstehen konnte, das sie eine Tochter hat. Der Freundeskreis hatte sich in Luft aufgelöst und zum Schluss hatte ich zu allem Überfluss meine Arbeit verloren. "Aber mit dem Alltagstest ging es gut vorran!" Aber bis ich die Arbeit verloren hatte, sollte es noch einige Monnate dauern. Mittlerweile hatte ich meinen Arbeitgeber darüber informiert, dass ich in einem Alltagstest bin und die Namens- und Personensstandsänderung beantragen werde. Zunächst hatte mein Arbeitgeber und Kollegen/in souverän reagiert und alles schien mal gut zu laufen. Aber das sollte nur ein Jahr andauern. Ich hatte gerade meine Namens- und Personenstandsänderung hinter mir, da sollte auch schon der nächste schreck auf mich zukommen. Ich hatte meinen Arbeitsplatz verloren. Das hatte mir den Rst gegeben. Ich war ja schon beim Outing ein Wrack. Das aber nicht genug, denn danach habe ich geliebte Menschen verloren, nur weil ich eine Transfrau war. Und zum Schluss verlor ich meine Arbeit. Im freien Fall ganz unten angekommen! Zumindest war ich nun endlich Hannah.


Die Namens- und Personenstandsänderung

Damals musste ich dann einen Antrag beim Gericht stellen, zur Namens- und Personenstandsänderung. dementsprechend hat das Gericht zwei Gutachter beauftragt, die dann bestätigen sollten dass ich dem weiblichen Geschlecht zu gehöre und von da an Hannah heißen sollte. Für mich war es gut, dass mein behandelnder Arzt auch die Qualifikation hatte um Gerichtsgutachten zu schreiben. Denn in diesem Falle hatte das Gericht meinen Psychiater als einen der Gutachter zugelassen. Den anderen Gutachter bzw Gutachterin wurde dann vom Gericht benannt. Damals musste man schnell einmal 1200 € Pro Gutachten auf den Tisch legen. Dazu kommen dann auch noch die Gerichtskosten. Man hat natürlich die Möglichkeit, sofern man keine Einkünfte ausreichend hat, Verfahrens bei Hilfe zu beantragen. Man hatte schon zeitweise den Eindruck das mit dem Leid anderer Leute, Geld verdient wird! Nachdem wir dann nun die beiden Gutachter bestätigt hatten, dass ich dem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden sollte, wurde deren Gutachten an das Gericht gesandt. Nach einigen Wochen bekam ich dann eine Einladung und musste zum Amtsgericht Bamberg fahren. Das waren für mich noch einmal ein paar 100 km Autofahrt. Aber da musste ich wohl durch! Nachdem dann die Richterin mich angehört hatte, teilte sie mir mit dass Sie meinen Antrag statt geben würde. Ich glaube so ca 2 Wochen später bekam ich dann den richterlichen Beschluss, dass ich nunmehr den Vornamen Hannah trage und dem weiblichen Geschlecht zu gehören. Nun konnte ich endlich zum Einwohnermeldeamt gehen um meinen neuen Personalausweis zu beantragen. Die Geburtsurkunde wird automatisch geändert über den Gerichtsbeschluss. Ich habe mir damals trotzdem eine kommen lassen und tatsächlich war diese komplett geändert und hatte keinen Hinweis auf die frühere Eintragung. von nun an sollte es in vielen Sachen für mich einfacher gehen. Ich konnte auch nun endlich eine andere Bankkarte beantragen. Wenn zu meiner Zeit bekam ich erst eine Bankkarte auf meinen Namen Hannah ausgestellt zum Zeitpunkt der Namens- und Personenstandsänderung. Zeitweise hatte ich nämlich Probleme gehabt, dass ich mit der Karte nicht mehr bezahlen konnte. Das Problem war dass ich anders aussah als wie der Herr der auf der Karte stand. Denn an vielen Kassen wurde ich ja als Frau wahrgenommen, und die Kassiererin teilte mir dann mit dass die Karte ja auf herausgestellt war und ich nicht damit fahren könnte. Das war in einer Personen Schlange an der Kasse äußerst unangenehm. Denn ich musste mich dann immer vor all diesen fremden Menschen outen dass ich doch die Person sei, die auf dieser Karte steht. Auch in Polizeikontrollen hatte ich schon witzige Erlebnisse gehabt. Die allerdings auf Dauer auch nervig waren! Aber mit dem Gerichtsbeschluss konnte ich nun alle Dokumente und sonstige wichtigen Dinge ändern lassen. Ich finde dass die Namens- und Personenstandsänderung für transsexuelle Menschen ein ganz wichtiger Faktor ist, der dazu dient ein leichteres Leben führen zu können. Zudem war es damals leichter einen Begutachtungstermin bei einem Operateur zu bekommen für die geschlechtsangleichende Operation, wenn man bereit die Namens- und Personenstandsänderung hinter sich hatte. So manches Mal kam ich mir vor wie ein Stück Vieh bei einer Fleischbeschauung. Zudem immer der psychischer Druck der auf mir lastete, weil ich ständig die Angst hatte, dass ich eine Ablehnung erfahren musste und dann das Prozedere des Widerspruchs durchlaufen müsste. Diese Angst hatte ich bei allem gehabt, weil egal welchen Antrag ich wo gestellt habe es immer die Sorge einer Ablehnung gab. Es gab halt keine klare Linie beim Durchlaufen des gesamten Prozederes. Leider gibt es auch zu wenig Ärzte die sich überhaupt mit diesem Thema auskennen, geschweige Hand in Hand miteinander arbeiten, bei betroffenen Patienten. Das liegt leider daran, dass dieses Thema zu wenig ernst genommen wird. Das Problem ist, dass Transmenschen gesund aussehen und deshalb dem ganzen wenig Beachtung geschenkt wird. Das ist zumindestens meine Meinung! die Selbstmordrate liegt wohl immer noch bei jeder dritten Person. Ich finde das enorm hoch!

Hannah 2020



Die Kindheit

Ich wuchs in einem sogenannten wohlbehütet im Elternhaus auf. Mein Vater hatte einen Brennstoffhandel und uns ging es finanziell recht gut. mein Vater war ein lustiger Geselle komme ein wenig chaotisch kann man sagen. Meine Mutter achtet ihr auf Etikette und eine recht strenge Erziehung. Im jugendlichen Alter war die Erziehung recht locker. Allerdings war es für mich unvorstellbar meinen Eltern sagen zu können, dass mit mir irgendetwas nicht in Ordnung sei. Mein Vater hätte mich wahrscheinlich in die Rubrik homosexuell gesteckt und für meine Mutter wäre die Welt zusammengebrochen. Was sagen die anderen Leute! Das wäre wohl ihr Hauptproblem gewesen. Zumindest zur damaligen Zeit. Bis zu meiner Pubertät wusste ich ja selber nicht was mit mir los war. Aber eins wusste ich ganz genau! Ich war nicht homosexuell! Wenn ich es selber doch nicht wusste was ich war, wie sollte ich mich dann auch bei meinen Eltern offenbaren. Ich wollte unbedingt mal eine Barbie Puppe haben. Ach was bin ich ausgelacht worden von meinen Eltern und von meinem Bruder. Aber ich fand die Puppen zu schön. Ich glaube da war ich so ca 10 oder 11 Jahre alt. Schließlich bekam ich von meinen Eltern dann doch das notwendige Geld um mir eine zu kaufen. Ich weiß es noch ganz genau es war in Westendorf. Westendorf ist ein kleines Dorf in Österreich wo wir Urlaub machten. Es ist schwierig sich anderen zu offenbaren, die einem ausgelacht haben. Mein Bruder hatte Jahrzehnte später mal den Satz fallen lassen: jetzt werden Politiker noch schwul. Das war zu der Zeit als ich ein Bürgermeister in Berlin als schwul outete. Wie gesagt ich war nicht schwul, aber ich war dann sexuell. Nach meinen Erfahrungen finden Außenstehende Transsexualität für noch skurriler Als Homosexuelle. All die Jahrzehnte wusste ich dass ich eine Frau bin aber ich konnte es niemanden sagen. Ich hatte große Angst wieder ausgelacht zu werden, oder dass ich alle von mir abwenden. Letztendlich war es so, dass meine Befürchtungen noch übertroffen wurden. Rückblickend muss ich sagen, dass ich mich hätte natürlich viel früher outen können. Letztendlich hatte ich alles verloren und das hätte ich auch schon früher haben können. Dann wäre wenigstens meine Zeit als Frau und mein Seelenfrieden schon viel früher möglich gewesen. Ich kann mir selbst den Vorwurf machen nicht schon viel früher meinen Weg gegangen zu sein. Meinen Weg! Und wem dieser Weg nicht passt wird ihn nicht mit mir laufen. Diese Erfahrung habe ich zumindestens gemacht und ich kenne es von sehr vielen anderen Frauen auch. In den meisten Fällen ist es immer das gleiche Ergebnis! Mit vielen Menschen habe ich eine schöne und gute Zeit gehabt. Das war in einer Zeit wo es mir selbst auch gut ging. In der Zeit wo es mir schlecht ging ist leider keiner davon übrig geblieben. Das ist nun mal die Realität. Denn wie so oft ist es so, das wenn es schwierig wird sich eher abgewandt wird. In der schwierigen Zeit als ich mein Leben neu sortieren musste hatte ich meine heute beste Freundin kennengelernt. Ich war in der Zeit der hormonellen Behandlung eher ein schwieriger Mensch. Das hängt natürlich mit den hormonschwankung zusammen. Zeitweise hatte ich ein Hormonstatus wie eine hochschwangere. Nicht umsonst sagt man wenn jemand durch den Wind ist: bist du hormongesteuert. Und das ist in der Regel bei allen Transfrauen so. Man durchläuft eine zweite Pubertät. Und wie das mit pubertierenden so ist, sind diese recht schwierig. Und diese schwierige Zeit hat bedingungslos meine Freundin mit mir gemeistert . Dafür möchte ich ich mich heute noch bei ihr bedanken. Ich glaube wenn ich mich in der Pubertät geoutet hätte, hätte ich ohne Unterstützung diesen schweren Weg nicht gehen können. Nachdem was ich erfahren habe beim Outing, ist meine Unterstützung völlig weggebrochen. Daher ist es wichtig Kindern und Jugendlichen, aber auch Erwachsenen, die notwendige Unterstützung zu geben. Und das aber auch bis zum Ende! Gelesen hatte ich mal das circa jede dritte Transfrau einen Selbstmordversuch oder Selbstmord begangen hat. Diese Rate ist enorm hoch und spricht für sich. Ich denke das da bei jedem klar wird wie hoch der Leidensdruck dieser Menschen ist und wie verzweifelt sie in ihrer Einsamkeit sein müssen, um sich dann ihr Leben zu nehmen. Das ist wohl die pure Verzweiflung!

Als Kind fand ich die schönen Tanzkleider meiner Mutter so toll. Meine Eltern gingen tanzen und Namen auch an sogenannten Turniertanzen teil. Ob es die silber glänzenden Schuhe waren oder die Tanzkleider die funkeln auf dem Kleiderbügel hängen. Ich fand es so toll! Allzu gerne schlüpfte ich in die Schuhe meiner Mutter und hing mir eine Handtasche über den Arm. Ich glaube wenn die Kleider mir gepasst hätten zu dieser Zeit hätte ich sie auch angezogen. Als Kind war ich eher ein zartes Wesen. Ganz anders als mein Bruder. Zu meinem Bruder hatte ich immer ein sehr gutes Verhältnis gehabt. Ich war schon recht stolz auf ihn und habe ihn wohl geliebt. Er war mein Sicherheitsanker. Allzu gerne bin ich mich abends wenn ihr schlafen mussten, in sein Bettchen gekrochen und habe mir von ihm was vorlesen lassen. Er war mein großer Bruder und ich habe mich immer geborgen gefühlt. Wenn ich irgendwas hatte, hat er sich gerne über mich lustig gemacht. Ich hatte immer Angst dass ich sterben müsste. Und er haute immer gerne in diese Kerbe rein und wenn ich weinte sagte er dass ich bestimmt sterben müsste. Natürlich war das nur Spaß und das wollte er ganz bestimmt nicht. Aber ich fand es trotzdem damals gemein! Das hat vielleicht mit dazu beigetragen, dass er in bestimmten Situationen über mich gelacht hat, dass ich letztendlich nicht die innere Überzeugung hatte, dass er mir in dieser schweren Zeit beistehen kann. Ich habe meinem Bruder nicht sagen können was mit mir los ist, weil ich Angst hatte ausgelacht zu werden oder ihn dadurch zu verlieren. Es sind immer die Ängste und Zweifel die einem treiben ein Doppelleben immer weiter zu führen.

Bayrischer Abend


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